Regionalliga-News

Auf der Erfolgswelle

von Manuela Patze am Samstag 02. Dezember 2017

Fürstenwalde (MOZ) Der FSV Union Fürstenwalde (Oder-Spree) ist die große Überraschung des Jahres 2017 in der Fußball-Regionalliga Nordost. In der vergangenen Saison sicherte die Mannschaft den Klassenerhalt mit der zweitbesten Rückrunde aller Teams. Auch in der neuen Saison verblüfft die Mannschaft die Experten.

16 Spiele, 28 Punkte und Platz 4 in der Tabelle. Die Fußballer des FSV Union Fürstenwalde sind die Überraschungsmannschaft der Regionalliga Nordost. Sie tummeln sich in der Spitzengruppe neben aufstiegsambitionierten Clubs wie Ex-Erstligist Energie Cottbus und DDR-Rekordmeister BFC Dynamo. Da drängt sich die Frage auf, was sind die Gründe für den Erfolg eines Vereins, der vor wenigen Jahren noch ehrenamtlich geführt in der Brandenburgliga kickte und nun die professionelle vierte Liga rockt?

Da kommt sofort der Trainer ins Spiel. Matthias Maucksch weiß offenbar wie es geht. Der Sachse hatte in der Saison 2015/16 die Fürstenwalder aus der Ober- in die Regionalliga geführt, sich dann aus privaten Gründen zurückgezogen, um nach einem halben Jahr vom glücklosen Achim Hollerieth das Zepter wieder zu übernehmen. Das Mantra des Ex-Profis (123 Spiele für Dynamo Dresden und den 1. FC Nürnberg) lautet Üben, Üben, Üben.

„Ich kenne Zweit- und selbst Erstligisten, die weniger trainieren“, sagt  Mauksch. Und der Gedanke zaubert dem sonst eher stoisch wirkende Coach den Anflug eines Lächelns ins Gesicht und erklärt. „Wir haben viele junge Leute um die 19 Jahre, die im Männerbereich noch nicht die Erfahrung haben. Die wollen wir schnellstmöglich heranführen an das Niveau.“ In der Vorbereitung wurde mindestens zweimal am Tag trainiert und in der Woche mit Spiel am Sonntag sind es bis zu acht Einheiten. Das setzt ein Team voraus, dass ausschließlich aus Profis besteht. „Bei uns kann jeder Spieler“, sagt Filip Krstic.

Der Abwehrspieler, der in den Nachwuchsabteilungen von Bayern München und Hertha BSC ausgebildet wurde,  kam vor der Saison vom FC Viktoria 89 Berlin, nachdem er mit dem FC Carl Zeiss Jena den Aufstieg in die
3. Liga schaffte. „Ich wollte wieder nach Berlin zu meiner Familie. Und die Rahmenbedingungen in Fürstenwalde mit mehreren Rasenplätzen sind sehr gut.“ Der 29-jährige wurde sofort von Mauksch („Der Filip macht die Schnauze auf“) zum Kapitän ernannt und gibt das Lob gerne zurück. „Unser Erfolg hat viel mit dem Training zu tun, weil wir viel und intensiv arbeiten. Es ist auf einem professionellen und hohen Niveau.“

Kristic und Mauksch führen einen weiteren Grund für die Erfolge an. Er lautet „mannschaftliche Geschlossenheit“. Sie ist ein psychologisches Phänomen, hat aber auch in der Bundesliga  oft gewirkt. Bekannte Beispiele sind der SC Freiburg oder zuletzt auch Hertha BSC. „Wir definieren uns über die Mannschaft. Wir hocken viel aufeinander, und wir sind nicht nur Freunde neben dem Spielfeld, sondern auch darauf. Das kannte ich so von anderen Mannschaften nicht. Da gab es immer Gruppenbildungen. Hier ist alles ein Team“, sagt Krstic.  „Wir haben nicht die Möglichkeit Qualitätsspieler zu holen. Wir definieren das Niveau über das Team. Es ist das Positive, dass nicht die individuelle Klasse einzelner Leute entscheidet, sondern die Komplexität, Kompaktheit des Teams“, erklärt Mauksch, der die von ihm geformte Einheit als Teil des Schlüssels zum Erfolg ansieht.

Er und erfahrene Spieler wie Kristic, Martin Zurawsky, Rico Gladrow, mit bisher 14 Torvorlagen Bester der Regionalliga, sowie Ingo Wunderlich, die Drittliga-Erfahrungen besitzen, sorgen also dafür, dass sich die Talente in der Domstadt prächtig entwickeln. Genau das macht dem Trainer sichtlich Freude, vor allem wenn es so gut gelingt wie in der laufenden Saison. Das Sturmduo Will Siakam (9 Tore) und Kemal Atici (8), der von Oberligist Brandenburg Süd kam, gehört zu den treffsichersten der Liga. Auch die beiden Zugänge vom Drittligisten Hallescher FC, Innenverteidiger Burim Halili (19) und Stürmer Lukas Stagge (20) werden immer stärker. Mit solchen Glücksgriffen konnten die Fürstenwalder den Aderlass zu Saisonbeginn auffangen, als acht Spieler, darunter Top-Angreifer Darryl Geurts zum Drittligisten SC Paderborn, den Verein verließen.

Dabei sieht Maucksch Fürstenwalde durchaus auch für sich als Sprungbrett für höherklassige Vereine. „Ich kann mich nicht irgendwo anbieten, aber solche Ziele sollte man sich immer stellen. Da ist es auch nicht verkehrt, sich über Fürstenwalde für andere Vereine bekannt macht. Aber jetzt konzentriere ich mich auf Union. Hier haben wir noch einiges vor.“ Er möchte die Mannschaft weiter entwickeln, aber auch ein gewisses Korsett behalten und Spieler, „die zu uns passen“ verpflichten. Das ist nicht immer einfach, denn mit einem Etat von 500 000 Euro sind die Unioner im unteren Viertel der Liga platziert.

Die Verantwortlichen umtreibt dabei noch eine, aufgrund der sportlichen Erfolge eher erstaunliche Sorge – die spärliche Zuschauerresonanz in der Bonava-Arena. Vom Duell gegen Liga-Krösus Energie Cottbus abgesehen – das 1:3 sahen mehr als 2000 Fans – beträgt der Schnitt rund 500 Zuschauer. Das ist weniger als zu Oberliga-Zeiten. „Wenn wir die Gründe wüssten, würden wir es abstellen“, sagt Sven Baethge.  Mehr Werbung für den Verein soll die Lösung werden.

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