Regionalliga-News

Knockout in der Nachspielzeit

von Mitsch am Montag 23. April 2018

Vier Tore in den letzten 17 Minuten – die Partie der Regionalliga Nordost zwischen dem VfB Auerbach und dem FSV Union Fürstenwalde war nichts für leicht besaitete Gemüter. Am Ende gewannen die Sachsen gegen dezimierte Gäste mit 3:2.

Die legendärsten Zitate von Fussballspielern und -trainern stammen aus Interviews direkt nach dem Schlusspfiff. Wenn die Aufregung noch groß und die Emotionen noch frisch sind, rutscht ihnen oft ein unbedachtes Wort raus. Das weiß auch Matthias Maucksch, der erfahrene Coach des FSV Union Fürstenwalde. Womöglich zog er sich deshalb nach dem Abpfiff zunächst einmal zurück. Ein Statement gab es von ihm erst später.

Dieser Nachmittag im Vogtland hatte es aber auch in sich: zwei geradezu heißblütige Teams, fünf Tore und eine emotionale Achterbahnfahrt. Enttäuschung, Freude und Wut lagen in den etwas mehr als 94 Minuten eng beisammen. Und die Gäste von der Spree waren dabei zunächst der moralische Sieger – und dann doch der wütende Verlierer. Denn das 3:2 für den gastgebenden VfB fiel in der vierten Minute der Nachspielzeit, gegen einen FSV Union in Unterzahl – und ohne Maucksch auf der Trainerbank.

Klar, wer hinterher im Fokus der Fürstenwalder Kritik stand: Schiedsrichter Steven Greif aus Westhausen im mittleren Nessetal bei Gotha. So richtig aussprechen wollte der Gäste-Coach dies in aller Öffentlichkeit dann aber doch nicht, sagte vielmehr: „Wir hatten heute einige Widerstände im Spiel zu brechen. Und damit meine ich nicht nur den Gegner, sondern auch jemanden anderes.“ Dabei beließ er es, „andernfalls bezahlen wir dafür eine Strafe“.

Die Worte geben aber die Gemütsverfassung der Fürstenwalder nach der dramatischen Partie trefflich wider. Dabei schien es im ersten Abschnitt gar nicht auf eine so spektakuläre Schlussphase hinauszulaufen. Zwar zeigten beide Mannschaften bereits da durchaus ansehnlichen Fussball, der davon geprägt war, dass zwei Gegner mit ähnlicher Spielanlage aufeinander trafen.

Auerbachs Trainer Michael Hiemisch, der am Saisonende den Verein verlässt und dessen Nachfolger, der ehemalige HFC- und CFC-Coach Sven Köhler die Partie von der Tribüne aus verfolgte, hatte sein Team eingeschworen: Union lasse dem Gegner keine Zeit zum Ausruhen, beschäftige ihn permanent. Der Ausweg: Gleiches mit Gleichem bekämpfen. Das führte allerdings dazu, dass die Partie zwar intensiv war, aber vor allem zwischen den Strafräumen. Gefährliche Torraumszenen hatten Seltenheitswert.

Die Gäste kamen gleich zu Beginn und kurz vor der Pause dem VfB-Tor nahe, es fehlte aber die Präzision. Auerbach hatte eine Aktion mehr auf seinem Haben-Konto – und nutzte diese zur Führung. Marcel Schlossers gefühlvolle Flanke hämmerte Torjäger Marc-Philipp Zimmermann fulminant mit dem Kopf in die Maschen.

Wie eine Rakete startete die Partie nach dem Seitenwechsel durch, auch wenn zunächst nur die Funken des Antriebs zu erkennen waren. Richtigen Schub erhielt das Geschehen ab der 68. Minute – dann aber in Schallgeschwindigkeit. Als Abwehrspieler Noah Awassi nach einem Foul im Mittelfeld Gelb-Rot sah, – eine harte Entscheidung – glühte die Gäste-Bank. Maucksch erntete die erste Ermahnung des Unparteiischen. Als dann auch noch Zimmermann einen Konter nach unnötigem Ballverlust des FSV in der Vorwärtsbewegung verwertete, schienen alle Messen gelesen.

Aber denkste! „Das 2:0 war Fluch und Segen für uns“, sagte Hiemisch. Denn die Hausherren waren sich ihrer Sache zu sicher. Und die Spreestädter mental stark genug, um noch einmal zurückzukommen. Danny Breitfelder drückte im direkten Gegenzug den Ball im dritten Versuch über die Linie.

Der Gast war wieder da – und Maucksch weg. Nachdem der Torschütze mit Auerbachs Marcin Sieber im Strafraum unglücklich zusammenstieß und mit einer Platzwunde am Kopf rausmusste, schäumte der FSV-Trainer vor Wut. Vorsatz beim Zusammenprall? Kaum. Ein Foul? Eher nicht. Jedenfalls musste der Gäste-Coach auf die Tribüne, was im VfB-Stadion nur zwei Meter Unterschied ausmacht. Und von dort aus bejubelte der 48-Jährige den Ausgleich. 15 Sekunden vor Ablauf der 90 Minuten köpfte Kemal Atici einen Freistoß von Rico Gladrow ins kurze Eck. „Wenn man die Konstellation sieht, nach einer Gelb-Roten Karte einen 0:2-Rückstand noch auf 2:2 zu stellen, zeigt, dass die Mannschaft lebt und bereit ist, gegen Widerstände anzukämpfen“, sagte Maucksch später.

Bitter nur, dass die Partie noch nicht vorbei war: Der gerade eingewechselte Philipp Kötzsch überrumpelte die dezimierten Fürstenwalder, drückte den Ball über die Linie. 3:2, Aus und vorbei – Freude da, Trauer und Wut dort. Lange Zeit zum Trübsal blasen bleibt den Spreestädtern indes nicht: Bereits am Mittwoch erwarten sie um 18.30 Uhr den Tabellendritten Wacker Nordhausen zum Nachholspiel in der heimischen Bonava-Arena.

Auerbach: Stefan Schmidt – Lukás Novy, Vaclav Heger, Marcin Sieber, Felix Lietz – Alexander Mattern (88. Philipp Kötzsch), Daniel Tarczal – Danny Wild, Marcel Schlosser (41. Thomas Stock), Amer Kadric – Marc Philipp Zimmermann

1. Männer: Niklas Bolten – Niklas Thiel (46. Fabrice Montcheu), Burim Halili, Noah Awassi, Filip Krstic – Lukas Stagge, Bujar Sejdija – Will Siakam (60. Andor Bolyki), Rico Gladrow, Kemal Atici – Danny Breitfelder

Zuschauer: 415

Schiedsrichter: Steven Greif (Westhausen)

Text: Marcus Schädlich | Foto: Martin Ramos

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