Regionalliga-News

2:2 nach einem furiosen Beginn

von Mitsch am Montag 05. November 2018

Die Serie hat auch gegen den Tabellenvierten gehalten: Nach dem 2:2 im Sonntag-Heimspiel gegen den vom finanziellen Kollaps bedrohten FC Rot-Weiß Erfurt ist der FSV Union Fürstenwalde in der Regionalliga Nordost seit nunmehr sieben Spielen ungeschlagen. Und es war nach einem furiosen Beginn sogar mehr als der eine Punkt drin.

Es waren keine 140 Sekunden gespielt in der Bonava-Arena, als gleich vier (!) im Gästestrafraum forecheckende Fürstenwalder den Ball eroberten und Lukas Stagge mit einem trockenen Linksschuss sein zweites Saisontor erzielte. Es sollte nicht der letzte Abwehrschnitzer der Thüringer bleiben.

Die aber schlugen zunächst umgehend zurück, und das ausgerechnet durch Darryl Geurts. Auch diesem Tor war ein schlimmer Fehler vorausgegangen, in diesem Fall von Gian Luca Schulz, der den Ball nach hinten quasi in den Lauf von Velemir Jovanovic passte. Der sah den Ex-Fürstenwalder Geurts, kurzer Schwenk, Abschluss – drin. Und nur weitere fünf Minuten später durfte Francis Adomah nach einer kurzen Ecke von Rico Gladrow, dem zweiten ehemaligen Unioner im rot-weißen Trikot, und Danilo Dittrich unbedrängt zum 2:1 einköpfen.

Was für ein Auftakt! So konnte es kaum weitergehen. Ging es aber beinahe. Ein langer Ball von Abwehrspieler Petar Lela fand den Kopf des völlig freistehenden Jovanovic, aber Paul Büchel im Kasten des FSV Union hatte aufgepasst (15.). „Wir haben es versäumt, das dritte oder gar vierte Tor zu machen“, monierte Erfurts Trainer Thomas Brdaric nach dem Spiel zurecht.

Allmählich hatten die Gastgeber dann den Schock des Rückstandes verdaut und konnten sich selbst Chancen erarbeiten, profitierten dabei aber auch weiter von Fehlern des Gegners, die Brdaric förmlich die Haare seines Mittelscheitels zu Berge stehen ließen. Aber Martin Zurawsky konnte die unverhoffte Schusschance ebenso wenig nutzen (18.) wie Andor Bolyki (36.), die Versuche von Cihan Kahraman (30.) und Schulz (35.) landeten ganz knapp neben dem linken Pfosten.

Dann aber doch der Ausgleich, als Erfurts Abwehrmann Adomah einen von Ingo Wunderlich in den Strafraum geschlagenen, eigentlich harmlosen Ball unbedrängt links unten im eigenen Tor versenkte. „Da hatten wir natürlich Glück, aber auch so eine Situation musst du erst erzwingen“, sagte Union-Trainer André Meyer später. Das 2:2 war zu diesem Zeitpunkt jedenfalls allemal verdient.

Mit dem Seitenwechsel mussten die Gastgeber umstellen, weil sich Niklas Thiel bei einem Ausrutscher wohl die Leiste gezerrt hatte. Für ihn rückte Schulz hinten in die Kette, während der schnelle Bolyki nun über rechts kam und der eingewechselte Mert Sait gerade zu Beginn der zweiten 45 Minuten vorn für frischen Wind sorgte.

Torraumszenen waren jetzt aber im Vergleich zur ersten Hälfte Mangelware, und wenn es gefährlich wurde, dann eigentlich nur vor dem Gehäuse der Gäste. Allerdings blieben die Fürstenwalder beim letzten Pass und im Abschluss zu ungenau. Am meisten strecken musste sich Rot-Weiß-Keeper Lukas Cichos bei einem Ball von Bolyki, der halb Flanke, halb Torschuss war. Der Schlussmann lenkte die Kugel mit der rechten Hand gerade so über die Latte (70.).

Als auch der letzte Schuss von Sait in der 93. Minute über das Quergestänge flog, war die Punkteteilung besiegelt. Ex-Profi Thomas Brdaric beschränkte sich vor dem Hintergrund der finanziellen Probleme – dem thüringischen Traditionsverein droht akut der Ausschluss vom weiteren Regionalliga-Spielbetrieb – auf die sportliche Analyse. „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wie sie angesichts unserer Situation und des frühen Gegentores in der ersten Halbzeit aufgetreten ist. Es ist nicht einfach, das alles auszublenden und sich auf den Fussball zu konzentrieren.“ Und weiter sagte der 43 Jahre alte Trainer: „Statt mit der Führung in die Pause zu gehen, machen wir selbst das 2:2. In der zweiten Halbzeit beginnt dann das Nachdenken, und irgendwann bist du mit dem Unentschieden zufrieden.“

Auch Meyer lobte natürlich seine Mannschaft, bemerkte aber zunächst: „Nach dem optimalen Start machen wir uns das Leben selbst schwer. Zwanzig Minuten lang haben wir extrem fahrig agiert, keine Kontrolle über das Spiel bekommen und viele Chancen zugelassen. Respekt, wie die Mannschaft dann zurückgekommen ist, sich aber leider nach einer richtig, richtig guten zweiten Halbzeit nicht belohnt hat. Insofern sind meine Gefühle gemischt, auch wenn ich mich natürlich freue, dass unsere Serie gehalten hat.“ Ähnlich klang dies bei Kapitän Filip Krstic: „Wir haben viel Moral und Siegermentalität bewiesen, sind bis zum Schluss auf das dritte Tor gegangen, wollten unbedingt gewinnen und hätten dies sicher auch verdient gehabt.“

Und dann war da noch einer, der nach dem Abpfiff strahlte und unzählige Hände schütteln musste: Darryl Geurts hatte sich auf die Rückkehr nach Fürstenwalde gefreut – und war nicht enttäuscht worden. „Es gab keine Pfiffe, ich habe viele ehemalige Kollegen und auch Fans getroffen. Ein Tor zu machen war mein Ziel, aber ich hätte natürlich auch gerne gewonnen“, sagte der Linksfuß, der von 2014 bis 2017 mehr als 70 Spiele für den FSV Union bestritten und dabei 25 Tore erzielt hatte. „Schade nur, dass mein Vater nicht hier war. Er ist sonst oft im Stadion – aber ausgerechnet jetzt ist er im Urlaub. Tauchen in Ägypten, sein absolutes Hobby“, erzählte der 24-Jährige dennoch gut gelaunt.

1. Männer: Paul Büchel – Niklas Thiel (45. Mert Sait), Burim Halili, Filip Krstic, Ingo Wunderlich – Martin Zurawsky – Gian Luca Schulz , Cihan Kahraman, Lukas Stagge (89. Alexander Wuthe), Andor Bolyki – Mike Brömer (81. Nils Stettin)

Erfurt: Lukas Cichos – Petar Lela, Marcel Kaffenberger (59. Pierre Becken), Danilo Dittrich, Francis Adomah – Tobias Hasse, Rico Gladrow – Lukas Novy, Mame Mbar Diouf (59. Andis Shala), Darryl Julian Geurts (75. Morten Rüdiger) – Velimir Jovanovic

Zuschauer: 913

Schiedsrichter: Richard Hempel (Großnaundorf)

Text: Kai Beißer (Märkische Oderzeitung) | Foto: Martin Ramos

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