Regionalliga-News

Fünf Monate mit Höhen und Tiefen

von Mitsch am Freitag 30. November 2018

Mit dem Heimspiel gegen Spitzenreiter Chemnitzer FC beginnt bereits die Rückrunde in der Regionalliga Nordost. Zeit für ein Resümee der 1. Halbserie – die für den Eggersdorfer André Meyer auch die erste als Verantwortlicher einer Männermannschaft war. Kai Beißer sprach mit dem 34-jährigen Trainer des FSV Union Fürstenwalde.

Herr Meyer, wenn Sie die Hinrunde mit drei Worten reflektieren sollten, welche wären dies?
Lehrreich, emotional. Und zufrieden.

Und mit ein paar Worten mehr?
Zufrieden nicht im Sinne von sich zurücklehnen, aber schon mit einem guten Gefühl, was das Erreichte anbelangt. Emotional, weil so viele Höhen und Tiefen dabei waren, die für ein gefühlsmäßiges Auf und Ab gesorgt haben. Und lehrreich, weil ich in nur fünf Monaten wohl schon alles mitgenommen habe, was den Ergebnissport Fussball ausmacht.

Können Sie das ein bisschen genauer erläutern?
Ich habe in kurzer Zeit erleben dürfen, was in einem Verein vor sich geht, wie schnell die Stimmung schwankt, gerade im Umfeld, dass man in einer Phase des ausbleibenden Erfolgs mehr und mehr alleine dasteht. Aber davon muss man sich lösen und weiter seinen Weg gehen, wenn man davon überzeugt ist.

Was von dem, was Sie bei Ihrer ersten Trainerstation im Männerbereich erwartet haben, ist eingetreten?
Wie ich mit der Mannschaft, mit den Spielern umgehe, wie ich Trainingsinhalte umsetze – das ist alles ganz normal und kein Neuland.

Und was hat Sie am meisten überrascht?
Wie schnell man bei ausbleibendem Erfolg in die Schusslinie von Leuten gerät, die nichts von dem wissen und einordnen können, was die tägliche Arbeit anbelangt. Und dass es in Internetforen und auch auf dem Platz persönlich beleidigend wird, gar nicht mehr um den Trainer Meyer geht, fand ich schon krass.

Haben die vergangenen fünf Monate den Menschen André Meyer verändert?
Ich glaube nicht. Das ist ein wichtiger Punkt: sich selbst treu zu bleiben. Natürlich haben mich die genannten Anfeindungen getroffen, aber sie haben mich nicht gebrochen. Vor allem war ich enttäuscht, dass oft nicht gesehen wird, dass wir mit einer neuen, noch jüngeren Mannschaft als zuletzt in die Saison gegangen sind, die Zeit zum Wachsen braucht. Im Erfolgsfall wiederum melden sich jetzt plötzlich Leute, die vorher nicht da waren. Das muss man alles sauber sortieren und einordnen können. Ich habe den Schritt zum FSV Union aber nicht bereut, mache den Job gerne, mit all seinen positiven und negativen Begleiterscheinungen.

Haben Sie jetzt mehr Zeit für die Familie als zuvor bei Ihrer Arbeit im Nachwuchsbereich des 1. FC Union Berlin?
Das vielleicht nicht, aber ich habe mehr Freiräume, um mir jene Zeit einzuteilen, die ich mit Frau und Kind verbringe. Der Tag ist jetzt klarer strukturiert, früher lief vieles nebenher.

Wie sieht denn ein ganz normaler Trainingstag in einer ganz normalen Punktspielwoche aus?
Um halb neun bringe ich meine Tochter in den Kindergarten, um neun bin ich im Büro. Um zehn geht es auf den Platz, nach halb zwölf ist Mittagspause samt Nach- und Vorbereitung des Trainings. Um 14 Uhr beginnt die zweite Einheit, danach folgen meist Einzelgespräche mit den Spielern sowie die Vorbereitung für den nächsten Tag. Gegen fünf bin ich wieder zu Hause, abends geht oft noch Zeit für Videoanalysen drauf.

Zum Schluss doch noch ein paar Fragen zum rein sportlichen Bereich: Die Mannschaft hat zwei Serien hingelegt – erst acht Spiele ohne Sieg, jetzt schon neun ohne Niederlage. Was hat sich, was haben Sie verändert?
In der Arbeit eigentlich nichts, auch nicht in der Art und Weise, wie wir Fussball spielen. Der größte Unterschied: Die Mannschaft ist zusammengewachsen. Am Anfang haben wir viel probiert, jeder sollte seine Chance bekommen. Mittlerweile klappen bestimmte Automatismen, wir haben viel gelernt, machen weniger grobe Fehler, und mit dem Erfolg wächst natürlich auch das Selbstbewusstsein.

Gab es da so etwas wie einen Wendepunkt?
Das war schon das 2:2 am 5. Spieltag bei Optik Rathenow. Ein komisches Spiel: Wir lagen 0:2 hinten, haben in der Schlussphase ausgeglichen und noch eine Rote Karte kassiert. Auch wenn wir nicht die erhofften drei Punkte geholt haben, ist der Glaube entstanden, dass wir solche Spiele drehen können, egal, was passiert. Es folgten zwar noch drei Niederlagen, umso wichtiger war dann natürlich das 3:1 beim ZFC Meuselwitz.

Danach gab es weitere vier Siege, zuletzt dann vier Unentschieden. Jetzt kommt der Drittliga-Absteiger und Spitzenreiter aus Chemnitz. Verstecken braucht sie die Mannschaft nach solch einer Serie aber nicht?
Natürlich nicht, zumal der CFC zuletzt geschwächelt und zweimal verloren hat. Wir hätten schon im Hinspiel mindestens einen Punkt verdient gehabt. Die Chemnitzer agieren viel mit langen Bällen und Flanken. Wir haben uns da etwas einfallen lassen und unsere taktische Marschrichtung entsprechend ausgerichtet.

Text: Kai Beißer (Märkische Oderzeitung) | Foto: Martin Ramos

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