Regionalliga-News

Alles klar nach 27 Minuten

von Mitsch am Montag 28. Oktober 2019

Der FSV Union Fürstenwalde überrollt im Heimspiel der Regionalliga Nordost den FC Rot-Weiß Erfurt mit drei Toren in der ersten halben Stunde und ist jetzt wieder Tabellensechster.

Die Schilder an der Hangelsberger Chaussee wiesen darauf hin: Achtung, Treibjagd! Was als Hinweis für die Autofahrer gedacht war, hätte ebenso gut vor der Bank der fußballspielenden Gäste aufgestellt werden können. Denn was die Hausherren da am Sonnabend in der Bonava-Arena mit dem ehemaligen Drittligisten aus Thüringen veranstalteten, ähnelte vor allem in der ersten Halbzeit dem Bild vom Jäger und dem Gejagten – der FSV Union trieb die auswärts sieglosen Erfurter förmlich vor sich her.

Nach zuletzt zwei Niederlagen fanden die Spreestädter zurück in die Erfolgsspur. Ihr dritter Heimsieg, der sie wieder auf Platz 6 vorrücken ließ, war ebenso deutlich wie ungefährdet und hochverdient. Die Zuschauer auf der jetzt überdachten Haupttribüne feierten ihr Team, Trainer Matthias Maucksch lobte Willen und Leidenschaft der Mannschaft, „und auch fußballerisch war das vor allem in der Anfangsphase sehr ordentlich. Es sind drei wichtige Punkte gegen einen Gegner, der eigentlich weit höhere Ambitionen hat als wir.“

Die Gastgeber waren nach zwei Minuten und 28 Sekunden in Führung gegangen, als ein langer Ball von Kapitän Ingo Wunderlich – nach Gelb-Rot-Sperre und überwundener Erkältung als Linksverteidiger aufgeboten – im Gäste- strafraum von Gian Luca Schulz auf den heranstürmenden Nils Stettin abgelegt wurde, der dann nur noch wenig Mühe hatte.

Die größte (und eigentlich einzig wirkliche) Möglichkeit für die Rot-Weißen hatte Rico Gladrow, der am linken Strafraumeck den aus seinem Tor herauseilenden David Richter umkurvte, dann aber nicht mehr die notwendige Schärfe in den Ball bekam, so dass Patrick Brendel klären konnte. Der 31-jährige Routinier, vom BFC Dynamo gekommen, hatte sich Anfang September im Pokalspiel bei Landesligist SG Großziethen verletzt, war bei seinem Comeback bester Mann auf dem Platz. Der Ex-Fürstenwalder Gladrow hingegen wurde von Trainer Thomas Brdaric zur Halbzeit ausgewechselt, Abwehrspieler Burim Halili, vor der Saison vom FSV Union zu Rot-Weiß gelockt, saß 90 Minuten auf der Bank.

Und musste mit ansehen, wie die Gastgeber für die frühe Entscheidung sorgten. Einen schnell ausgeführten Einwurf ließ Kimmo Hovi zu Schulz prallen, und der passte mit viel Übersicht auf Darryl Geurts, der mit dem Ball ins leere Tor laufen konnte – was für ein herrlich herauskombinierter Treffer. Und für den Linksfuß, in der Vorsaison in 22 Partien für die Erfurter dreimal erfolgreich, „eine ganz besondere Genugtuung“, wie er hinterher zugab.

Damit nicht genug, gelang Blondschopf Stettin nur fünf Minuten später das 3:0, weil FC-Keeper Jannick Theißen einen kapitalen Bock schoss, einen hohen Ball von Geurts fehlinterpretierte. Von Stettins Kopf segelte die Kugel fast in Zeitlupe ins Netz.

Brdaric war entsprechend sauer: „Unsere Schlafmützigkeit in der Anfangsphase ist nicht zu verstehen und nicht zu verzeihen. So dürfen wir uns nicht präsentieren, darüber müssen wir reden. Ich kann mich nur bei den Fans entschuldigen.“ Die hatten nach dem Abpfiff die Mannschaft am Zaun des Gästeblocks zur Rede gestellt. „Kein Kampf, kein Herz, kein irgendwas“, waren eher noch die harmlosen Rufe der ziemlich aufgebrachten mitgereisten Thüringer. In der Tat hatte es in der zweiten Halbzeit kein Aufbäumen der Erfurter gegeben. Auch Kapitän Lukas Novy war ratlos: „Keine Ahnung, woran es lag. Zu Beginn waren einige Leute von uns wohl noch im Bus“, flüchtete der Tscheche sich in Galgenhumor.

Text: Kai Beißer (Märkische Oderzeitung) | Foto: Christoph Ulbricht (Spreebote)

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